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Stroh zu Gold oder Gold zu Stroh? Zur Ambivalenz öffentlicher Autorenlesungen

von Dr. Anja Johannsen

Dr. Anja Johannsen
Dr. Anja Johannsen

Die Leseveranstaltung kann sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen; unter Literaturwissenschaftlern aber trifft man in Alltagsgesprächen auffallend häufig auf Skepsis dem gesamten Veranstaltungsbetrieb gegenüber. »Zwischen Gottesdienst und Rummelplatz« siedelt Thomas Wegmann die Leseveranstaltung an, und natürlich finden sich reichlich Beispiele aus der Branche. Das Stichwort ›Gottesdienst‹ ruft sofort die altbackene weihevolle ›Dichterlesung‹ ins Gedächtnis, deren ungute Ingredienzien wahrscheinlich nirgends besser eingefangen sind als in Loriots Frohwein-Episode in Pappa Ante Portas, wo das Publikum zu Sonettenkränzen in tiefen Schlummer sinkt.

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Erfolgsfaktoren eines inhabergeführten Kleinverlags

von Klaus Bramann

Klaus-W. Bramann

 

Es geht um ›verlegerische Innovationsstrategien‹. Es geht um die Zukunft dessen, was ich gerne mit ›differenzierte kulturelle Dienstleistung‹ umschreibe. Um es vorab klarzustellen: Bei einem Kleinverlag geht es selten um technische Innovationen. Sich über die Zukunft Gedanken zu machen, bedeutet immer gleichzeitig eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit. Meine etwas provokante These lautet: »Ohne Rückbesinnung auf Traditionen sieht die Zukunft der Branche ärmer aus«.

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Verlagsflyer

Comics und "Graphic Novels" im Literaturbetrieb

von Bernd Villhauer

 

Der gute alte Comic ist nun endlich literatursalonfähig geworden. Wer etwas auf sich hält im buchbesprechenden Gewerbe, der beklagt, dass „hierzulande“ die Comic-Kultur noch unterentwickelt sei und man viel zu lange die faszinierenden Comic-Neuerscheinungen aus Frankreich, Japan und den USA unterschätzt habe. Aber nun sei ja (und dann kann man in der Literatursendung sogar etwas großes Buntes hochhalten) dieses neue Werk von xyz erschienen, das man eigentlich schon gar nicht mehr richtig als Comic bezeichnen könne, sondern besser als … „Graphic Novel“!

Graphic Novel. Mit diesem Marketing-Label ist es gelungen, in den Buchhandlungen neben den „seriösen“ Neuerscheinungen in Belletristik und Sachbuch Regal- bzw. Tischplatz zu erobern. Auch haben die Verlage eine Möglichkeit gefunden, mit ihren Comic-Veröffentlichungen das Kinder- und Schundliteratur-Ghetto zu verlassen. Es war ein weiter Weg…

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Probleme des Wissenschaftslektorats: Auf der Suche nach dem populären Sachbuch

von Bernd Villhauer

 

Formate Für die jeweiligen Programmbereiche mit ihren Buchtypen und -formaten, von denen aus über das Sachbuch nachgedacht wird sowie für die unterschiedlichen Publikationsfelder gelten jeweils andere Regeln. Wir haben zwei zentrale Bereiche aufgelistet, um einiges daran vorzuführen.

 

Forschung Die Forschungsliteratur dient der Begleitung und Dokumentation der Fachdiskussion; über lange Jahre waren dabei die Qualifikationsschriften, also Dissertationen und Habilitationen, ein entscheidender Bestandteil. (Zudem sorgten diese Publikationen für beruhigend regelmäßige Einnahmen – was gerade für die kleinen Wissenschaftsverlage von großer Bedeutung war.) Auch Tagungsbände gehören hierher, ebenso die Festschriften, obwohl hier der wissenschaftliche Nutzen oft fraglich ist und die Ehrung einer Person im Vordergrund steht. Bücher zur Entwicklung der Forschung setzen Fachwissen voraus, bedienen sich der Expertensprache und haben üblicherweise einen sehr kleinen Verbreitungskreis. Hier ist das fachliche Wissen zu finden, das sich in Auseinandersetzung mit den aktuellen Forschungsdiskursen artikuliert und die kreative Weiterentwicklung im Rahmen des Fachbereichs sucht. Diese Bücher stehen oft in Konkurrenz zu Veröffentlichungen in Fachzeitschriften bzw. gegenwärtig zunehmend zu Diskussionsbeiträgen im Internet. In einigen Wissenschaften hat die Veröffentlichung als Fachartikel die Buchveröffentlichung ersetzt; für längere Buchpublikationen ist dort kein Platz mehr. [hier weiterlesen]