TexturenBerufspraxis
Stroh zu Gold oder Gold zu Stroh? Zur Ambivalenz öffentlicher Autorenlesungen
Die Leseveranstaltung kann sich bei der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen; unter Literaturwissenschaftlern aber trifft man in Alltagsgesprächen auffallend häufig auf Skepsis dem gesamten Veranstaltungsbetrieb gegenüber. »Zwischen Gottesdienst und Rummelplatz« siedelt Thomas Wegmann die Leseveranstaltung an, und natürlich finden sich reichlich Beispiele aus der Branche. Das Stichwort ›Gottesdienst‹ ruft sofort die altbackene weihevolle ›Dichterlesung‹ ins Gedächtnis, deren ungute Ingredienzien wahrscheinlich nirgends besser eingefangen sind als in Loriots Frohwein-Episode in Pappa Ante Portas, wo das Publikum zu Sonettenkränzen in tiefen Schlummer sinkt.
TexturenGeschichte
„Der ganze Literaturbetrieb erinnert mich an eine Grossmarkthalle.“ Siegfried Unseld und seine Autoren
Wenn eine Textgattung von den ökonomischen Faktoren des Literaturbetriebs ausgenommen werden müsse, dann seien es die Briefwechsel, wird immer wieder eingewandt. Siegfried Unseld zum Beispiel versucht seinem Autor Thomas Bernhard mit diesen Worten mehr Zurückhaltung nahe zu legen: „Lieber Herr Bernhard, ich stelle mir vor, was künftige Adepten der Studiums von Literatur- und Verlagsgeschichte bei der Lektüre unseres Briefwechsels sagen werden.“
TexturenNeuerscheinungen
Literaturbetrieb
Philipp Theisohn, Christine Weder (Hg.)
Literaturbetrieb. Zur Poetik einer Produktionsgemeinschaft
Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts beherrscht die Realität des Betriebs die Wahrnehmung literarischer Produktion. Während sich die Literatur immer wieder emphatisch von dieser Realität abzugrenzen versucht, wird sie doch zweifellos von ihr bedingt und mitbestimmt. Der Vorstellung vom Literaturbetrieb als Versklavungsanstalt des Schreibens tritt die Einsicht entgegen, dass der Betrieb selbst über eine eigene Poetik verfügt, die von der Literatur genutzt wird.
TexturenCampus
Über Sprachnormautoritäten im sozialen Kräftefeld einer Standardvarietät
Die Fruchtbringende Gesellschaft – eine Sprachnormautorität. Kupferstich von Matthäus Merian (1646).
Ulrich Ammon stellt in seinem Text »Standard und Variation: Norm, Autorität, Legitimation« alle wesentlichen Instanzen zusammen, die in einer Standardvarietät einer Sprache existieren, um bestimmte Kodizes zu tradieren und Normen festzulegen.
TexturenDebatten
Die elektronischen Reiter. Die Zerstörung der Wertschöpfungskette als Selbstzerstörung der Kreativwirtschaft
Das elektronische Lesegerät ist ein faszinierendes Ding. Es ist das Ding der unbegrenzten Möglichkeit, alle Bücher zu lesen. Als Ding im wörtlichen Sinne sieht man es allerdings weniger. Wenn man vom Fernsehen spricht, meint man ja auch nicht den Kasten bei sich zu Hause im Wohnzimmer. Man meint damit alles, was bisher gesendet wurde und noch gesendet wird.
TexturenBerufspraxis
Erfolgsfaktoren eines inhabergeführten Kleinverlags
Es geht um ›verlegerische Innovationsstrategien‹. Es geht um die Zukunft dessen, was ich gerne mit ›differenzierte kulturelle Dienstleistung‹ umschreibe. Um es vorab klarzustellen: Bei einem Kleinverlag geht es selten um technische Innovationen. Sich über die Zukunft Gedanken zu machen, bedeutet immer gleichzeitig eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit. Meine etwas provokante These lautet: »Ohne Rückbesinnung auf Traditionen sieht die Zukunft der Branche ärmer aus«.
TexturenBerufspraxis
Vom Comic zur "Graphic Novel"
Als 'Graphic Novels' werden anspruchsvollere Comics für ein erwachsenes Publikum bezeichnet. Diese Bezeichnung, die sich weniger inhaltlichen, als vielmehr marketingtechnischen Gründen verdankt, wird zu einem Zeitpunkt eingeführt, zu dem sowohl die Verlage der Comic-Industrie als auch die Buchhandlungen Probleme zu bewältigen haben. Sie erschließt möglicherweise ein neues Publikum für die "Neunte Kunst".
